Leitbild & Museale Nutzung

Wissenschaftliches Leitbild 

Das Landesmuseum Burgenland zeigt zahlreiche „Schätze“ burgenländischer Geschichte, Kultur  und Identität. Der inhaltliche Bogen umfasst die Naturkunde des Burgenlandes (Geologie/Paläontologie, Biologie) ebenso wie das Wirken des Menschen (Archäologie, Geschichte des Landes, Musikgeschichte, Bildende Kunst und Volkskunde) und bietet einen informativen Gesamtüberblick über die Entwicklung des Burgenlandes und des umgebenden pannonischen Raumes von den Anfängen bis in die heutige Zeit. Das Landesmuseum erzählt auf drei Etagen 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte.

Die Sonderausstellungen haben den Fokus auf der landeskundlichen Forschung. Schwerpunktmäßig  werden interessante Themen aus den Sammlungsbereichen des Landesmuseums aufgegriffen, ein besonderes Augenmerk gilt auch der Aufarbeitung der Zeitgeschichte und den Besonderheiten des Landes.


wHR Dr. Josef Tiefenbach
Vorstand Abteilung 7 - Kultur, Wissenschaft und Archiv

 

Museale Nutzung

Erst mit Entstehen eines selbständigen Bundeslandes Burgenland im Jahr 1921 begann der Aufbau einer landesspezifischen Sammlung. Die meisten Bestände der vorherigen Sammlungstätigkeit über dieses Gebiet befanden sich 1921 in ungarischen Museen.

Es gab allerdings private Sammler wie den Weingroßhändler Sándor Wolf oder die Schlosssammlung Erdödy und engagierte Personen rund um den burgenländischen Heimat- und Naturschutzverein, die eine rege Sammlungstätigkeit entwickelten und zu denen wiederum in prominenter Position der ehrenamtliche Konservator des Bundesdenkmalamtes Sándor Wolf gehörte.

Dieser Personenkreis leistete eine wichtige Lobbyarbeit, die letztlich dazu führte, dass seitens der Burgenländischen Landesregierung die Gründung eines Landesmuseums und damit ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des Landesbewusstseins in die Wege geleitet wurde.

Mit der Vorbereitung zur Errichtung des Landesmuseums beauftragte der zuständige Referent in der Landesregierung, Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. h.c. Ludwig Leser, Herrn Sándor Wolf, dessen Firma als provisorische Unterkunft für das Museum gegen einen Anerkennungszins von S 1,– das sogenannte »Leinnerhaus« in Eisenstadt, Rusterstraße, zur Verfügung stellte. Wolf wurde zugleich ermächtigt, den anerkannten Museumsexperten Dr. Alphons Barb beizuziehen.

Im Juli 1926 wurde mit der Einrichtung des Museums begonnen. Am 14. September 1926 erfolgte die Eröffnung durch Bundespräsident Dr. Michael Hainisch. Zum ersten Direktor des Museums wurde Dr. Barb bestellt. Das Leinner-Haus wurde 1930 vom Land angekauft.

Sammlungsschwerpunkte waren von Anfang an:

Urgeschichte und Archäologie, Kultur- und Landesgeschichte, Volkskunde, Geologie und Biologie. Die Sammlungsbestände wuchsen rasch an. Dieses Anwachsen bewirkte eine akute Raumnot, sodass im Laufe der Jahre immer wieder andere Unterbringungsmöglichkeiten gesucht wurden.

Die nationalsozialistische Machtübernahme 1938 bewirkte die Entlassung von Direktor Barb, die Umfunktionierung des Landesmuseums in ein Landschaftsmuseum und eine Außenstelle des NÖ Landesmuseums sowie die Abtretung von Sammlungsbeständen an die Gaue Steiermark und Niederdonau.

Gleichzeitig wurde 1939 – nachdem Sándor Wolf enteignet worden war und nach Israel flüchten musste – das Museum in die sogenannten Wolfhäuser in der Meierhofgasse übersiedelt und mit der bekannten Wolf-Sammlung zusammengeführt, die allerdings nie in die Gesamtsammlung integriert, sondern vom Museum als geschlossene Einheit treuhändisch betreut wurde. Die Leitung des Museums wurde Prof. Richard Pittioni übertragen, nachdem kurzzeitig die Geschäfte von Herrn Karl Kritsch, dem Vorsitzenden des Burgenländischen Heimat- und Naturschutzvereins, geführt worden waren. Auf Prof. Pittioni folgte 1942 Prof. Gruzecki und danach Reg. Rat Prof. Eitler.

Nach 1945 wurde das Landesmuseum als Abteilung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung neu geschaffen. Zum Leiter wurde der ursprünglich aus dem Lehrberuf kommende WHR Adalbert Riedl bestellt. Die Abteilung samt Sammlung verblieb in den 4 Wolfhäusern und dem Schlesingerhaus in der Meierhofgasse. Mit den Erben der Häuser und der Wolf-Sammlungen, denen die Besitztümer gemäß dem 1. Restitutionsgesetz zurückerstattet worden waren, wurde dahingehend eine entsprechende Vereinbarung getroffen, auch hinsichtlich der weiteren treuhändischen Verwaltung der Sammlung.

1950 erfolgte der Ankauf des so genannten Schlesinger-Hauses, 1958 jener der Wolfhäuser, jeweils zu den Konditionen der Erben durch die Burgenländische Landesregierung. Zwischen dem Land und den Erben gab es schon sehr früh eine Übereinstimmung, auf gegenseitige Forderungen zu verzichten.

Mit Regierungsbeschluss vom 19.6.1957 erklärte sich die Burgenländische Landesregierung darüber hinaus bereit, gegen die Aufhebung der durch das Denkmalschutzgesetz bestehenden Beschränkung der Rechte von Frau Löwy , der Erbin nach Sándor Wolf, in Bezug auf die Wolf-Sammlungen (Veräußerungsverbot außerhalb Österreichs) keine Einwände zu erheben. Die Folge davon war der von der Erbin, Frau Frieda Löwy, veranlasste Verkauf der Wolf-Sammlung.

Das Landesmuseum war einer der Käufer. Über den Rechtsanwalt von Frau Löwy, Dr.Fried, wurden 1958 jene Bestände der ehemaligen Wolf-Sammlung, die für das Land von Interesse und von Bedeutung waren, angekauft. Der überwiegende Teil der Wolf-Sammlung ging jedoch 1958 an das Schweizer Auktionshaus Galerie Fischer in Luzern. Von diesem wurden seitens des Landesmuseums im Laufe der folgenden Jahre immer wieder ursprünglich nicht berücksichtigte Bestände der Wolf-Sammlung erworben.

1963 bekam das Landesmuseum mit WHR Dr. Alois Ohrenberger einen neuen Leiter. Unter seiner Führung wurde das Landesmuseum in seiner jetzigen Gestalt geschaffen. Das »alte Gebäude« entsprach in keiner Weise den gestellten Anforderungen und damals zeitgemäßen musealen Erkenntnissen.

In der Sitzung vom 16. Juni 1965 beschloss die Landesregierung, das Landesmuseum in den ehemaligen Wolfhäusern aus- und umzubauen und mit Regierungsbeschluss vom 9. 11. 1965 wurden die Architekten DI Hans Puchhammer und DI Günther Wawrik mit dem Um- und Neubau bzw. der Generalsanierung des Landesmuseums beauftragt. Das bauliche Grundkonzept wurde dabei so angelegt, dass in drei Stockwerken eine Gesamtausstellungsfläche von ca. 2500 m2 gegeben war.

Schwerpunkte des neuen Museums, das im Herbst 1976 eröffnet wurde, bildeten neben der allgemeinen Landesschau (Geologie, Paläontologie, Biologie, Urgeschichte, Archäologie, Volkskunde und Kulturgeschichte) vor allem der Keller mit 300 m2 römischen Mosaiken aus der so genannten Kaiservilla von Bruckneudorf, das burgenländische Weinmuseum, die Darstellung der Fauna und Flora des heute zum UNESCO-Kulturerbe zählenden Biotops Neusiedler See, der Blaue Salon von Eduard Liszt aus dem Schottenhof in Wien, die Münzschatzfunde sowie die aus der Bergkirche von Eisenstadt stammende barocke Haydn-Orgel.

Von 1980 bis 1990 führte WHR Dr. Hanns Schmid die Geschäfte des Landesmuseums, der erstmals einen Gesamtkatalog der Schausammlung herausgab. Ihm folgte 1990 bis 2002 WHR Dr. Gerald Schlag, wobei die ehemals eigenständige Abteilung Landesmuseum, um eine weitgehend privatwirtschaftliche Verwaltung und Betriebsführung gewährleisten zu können, in eine so genannte unselbständige Anstalt mit eigenem Statut umgewandelt und abteilungsmäßig der Kulturabteilung angegliedert wurde.

Mitte 2002, unter der direkten Leitung des Vorstandes der Kulturabteilung WHR Dr. Josef Tiefenbach erfolgte eine grundlegende Umgestaltung der Organisationsstruktur des Landesmuseums.

Mit Organisationsverfügung des Herrn Landeshauptmannes vom 1.7. 2002 wurde das Statut der unselbständigen Anstalt »Burgenländische Landesmuseen« dergestalt geändert, dass einerseits Landesmuseum und Landesgalerie zusammengeführt und andererseits unter der Gesamtleitung von WHR Dr. Tiefenbach eine kaufmännisch-administrative, eine wissenschaftliche und eine Landesgalerie-Geschäftsführung neu installiert wurden.

Nach fast 30 Jahren war es dringend notwendig, umfangreiche Maßnahmen zur Gebäudesanierung einzuleiten. Mit diesen wurde 2003 begonnen. Fluchtwege, Brandschutz, das gesamte Beleuchtungssystem wurden den modernen Anforderungen angepasst.

2004 erfolgte die Ausschreibung und Beauftragung der Neugestaltung der Schausammlung samt Neugestaltung Shop, Führungslinie etc. Sieger des EU-weit ausgeschriebenen Wettbewerbs war Architekt DI Anton Mayerhofer, dessen gemeinsam mit dem erfahrenen Ausstellungskurator Mag. Michael Weese und dem Team des Landesmuseums umgesetztes Konzept Ende März 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte.

Anfang 2011 übernahm die KSB-Kultur-Service Burgenland zentrale Aufgaben wie Kulturvermittlung, Marketing und Gebäudemanagement.